Fokus Verkaufen und Präsentieren: Massive Renaissance - Begehbare Geschichte(n)

In früheren Zeiten waren es die Tempel und die Kirchen, vor denen die Menschen sich versammelten. Wer sich heute durch eine Metropole wie New York bewegt, trifft die Menschen anderswo. Sie stehen geduldig in Warteschlangen vor Apple in Soho oder Supreme in der Bowery. Sie treten durch überlebensgroße Pforten in Flagshipstores. Sie streifen durch weite Hallen, in denen wenige Produkte auf Displayflächen stehen wie auf Altaren. Shops und Malls sind zu einer Art zeitgenössischer sakraler Raum geworden; in ihnen wird das Business ums Begehren sublimiert. Auch wenn der Vergleich mit religiösen Orten, der im nächsten Schritt auch das Produkt zur Devotionalie macht, weit ausholt — die formalen, ästhetischen und räumlichen Anleihen liegen auf der Hand. Hohe Wände, riesige Tische und massive Treppen aus Marmor oder Beton lassen den Käufer in seiner Selbstwahrnehmung schrumpfen und den ihn umgebenden Raum mächtig werden. Es sind Anleihen aus der Monumentalkunst, die in Shops zitiert werden, um Andächtigkeit und Respekt zu erzeugen.