Die Geschichte des Weinguts Château Cheval Blanc in Saint-Emilion bei Bordeaux reicht zurück bis in die 1830er-Jahre. Ausgezeichnet als »Premier Grand Cru Classé A« genießt der hier produzierte Bordeaux Weltruf. Seit 1998 führen die Geschäftsleute Bernard Arnault und Baron Albert Frère das Traditionsunternehmen. Im Bordelais liegen repräsentative Neubauten für Weinkellereien bereits seit einigen Jahren im Trend, das Château Cheval Blanc schließt nun mit dem Neubau von Christian Portzamparc an diese Strategie an. Der ehemalige Weinkeller aus dem 19. Jahrhundert dient heute als Wohn- und Gästehaus, die Produktion wurde in den Neubau mit einer Nutzfläche von rund 700 m2 verlagert. Das dynamisch geschwungene Gebäude, dessen Rundungen an die Form eines Weinglases erinnern sollen, wirkt wie ein weißes Segel, das sich scheinbar schwerelos auf die Weinberge legt. Während der Bau in der Längsansicht abzuheben scheint, verschmilzt er in der Frontalansicht mit dem Boden. Neben dem formalen Konzept liegt dem Bau ein funktionales zugrunde: das nach Weinlagen getrennte Verarbeiten des Leseguts. Jeder einzelne der 52 Gärtanks ist für eine bestimmte Rebfläche reserviert; das Fassungsvermögen orientiert sich an den Größen der Parzellen. Der gesamte Grundriss folgt einer strengen Symmetrie. Wie bei einer Perlenkette reihen sich die einzelnen Funktionen aneinander: Vom Foyer aus gelangt man durch die Halle mit den Gärtanks in den Bereich für die technische Verarbeitung und anschließend über ein Atrium in den Seminarraum. Das durch Stützen gegliederte Untergeschoss beherbergt die Lagerräume für die Barrique-Fässer und die Weinflaschen. Für eine natürliche Belüftung der Fässer sorgen von Muscharabien inspirierte Wände aus unverputzten Ziegeln. Das Erdgeschoss präsentiert sich dagegen stützenfrei, sechs vertikale Betonscheiben tragen das Dach. Sichtbeton und Eichenholz sind Reminiszenzen an Weinfässer und an die von Cheval Blanc verwendeten Betontanks.